Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e.V.

Gemäde der Maike von Theodor Wilhelm Schäkel
Otto Ilmbrecht schreibt im Vorwort zu Bückeburger Heimattänze: „Dort bläst und schmettert es, hier wirbelt und kreischt es! Überschäumende Lebensfreude hat sie alle erfaßt! Die Zurückhaltung und Verschlossenheit, die hierzulande vorherrschen, sind durch die Tänze überwunden! Dies Erlebnis, das Worte nur undeutlich schildern können, hat der Maler Theodor Wilhelm Schäkel in einem Gemälde sichtbar gemacht.“

Die Mädchen (Maike) stehen im Mittelpunkt

Die Maike gehört zum „Grundtanzprogramm“, das die DGV in Zusammenarbeit mit der AG der Sing-, Tanz- und Spielkreise auf die CD „Einmal quer durch“ aufgenommen hat. Mario Hecker, Vorstandsmitglied der DGV, hat sich intensiv mit dem Tanz befasst und hier einige interessante Hintergrundinformationen zusammengestellt.

Der Tanz „Maike, wutt du noch nich up“ aus den „Bückeburger Heimattänzen“ von 1937 (MaikeB) und die „Maike“ aus den „Westfälischen Heimattänzen“ von 1931 (MaikeW) sind die gleichen Tänze mit leichten Varianten in Melodie, Text und Tanz. MaikeB wird nach Schaumburg-Lippe und Kreis Minden lokalisiert die MaikeW in die Ortschaft Wülpke nahe Bückeburg im Kreis Minden. Es gibt also eine Überschneidungsmenge. Im Vorwort zu den Bückeburger Heimattänze lesen wir: „Für Schaumburg-Lippe gilt, daß in den beiden Kreisen Bückeburg und Stadthagen für denselben Tanz voreinander abweichende Formen und bei figurengleichen Tänzen verschiedene Melodien auftreten.“

Erntetanz mit Scherzlied

Dieser Tanz, der mit seinem (Scherz-)Lied vom Alltag der Viehhaltung in der dörflichen Landwirtschaft erzählt, scheint wohl ein Erntetanz zu sein. „Maike, wutt du noch nicht up un melken dien Kauh? De Heire drifft vern Dörpe rup un du slöppst jümmer tau?“ – „Mädchen, willst du nicht aufstehen und deine Kuh melken. Der Hirte treibt (die Rinderherde) vors Dorf, ruft und du schläfst immer zu.“ Maike ist hier kein weiblicher Vorname, sondern steht im westfälischen Dialekt für Mädchen.

Dieser kurze Text erzählt von Kleinbauern beziehungsweise Selbstversorgern. Sie haben eine oder wenige Kühe. Für das Melken mussten die jungen unverheirateten Frauen täglich früh aufstehen. Sonntags lange ausschlafen stand nicht zur Wahl. Die Mädchen hatten eine große Verantwortung zu tragen – sicherlich damit auch eine große Last. An Aufgaben kann man wachsen oder verzweifeln.

Ich denke hier auch an das Buch „Herbstmilch“ von Anna Wimschneider und dessen Verfilmung durch Joseph Vilsmaier. Der Kuhhirte zieht durchs Dorf, ruft und führt die Herde auf die Viehweide. Bioviehhaltung – die Kühe kommen täglich auf die Weide, sie bleiben nicht ständig im Stall stehen, müssen nicht allein sein oder den ganzen Tag neben einer „dummen Kuh“ stehen, sondern Freundinnen aus der Herde treffen. Verschlafen ist kein Kavaliersdelikt, sondern wird mit dem Spott der Dorfgemeinde bestraft, wenn das Mädchen die Kuh alleine zur Weide treiben muss. Kein leichtes Leben.

Selbst beim Tanzvergnügen wurden den Mädchen die Normen der Dorfgemeinde klar gemacht. Jede und jeder hat seinen festen Platz in der Gemeinschaft. Abweichen wurde bestraft. Mädchen, die verschlafen, ernten Spott, verletzen die Familienehre und mindern ihren Wert auf dem Heiratsmarkt. Tanz ist Heiratsvermittlung. Der Tanz „Maike“ ist für (unverheiratete) Burschen und Mädchen gedacht und weniger für gestandene Männer und Frauen. Dies wird auch an der lebhaften Musik deutlich.

Ein sehr lebhafter Tanz

MaikeB hat eine genaue Geschwindigkeitsangabe, 144 Viertelnoten-Schläge pro Minute (sehr lebhaft). Die MaikeW hat nur die Angabe: Polkazeitmaß. In MaikeB heißt es: Wird das durch MM-Ziffern kenntlich gemachte Zeitmaß verlangsamt, so verändern sich nicht nur die Schritte und ihre Anzahl, sondern dann verlagern sich auch die Tanzformen in ihrer räumlichen Ausdehnung beziehungsweise Begrenzung. Hier wird auch darauf hingewiesen: Man beachte vor allem den Hinweis unter „Polkaschritt“:
Bei großer Geschwindigkeit – von uns als „sehr lebhaft“ oder „äußerst lebhaft“ bezeichnet – werden die Polkaschritte ohne Hüpfschwung ausgeführt. Für das Auge erscheint dieses Rundtanzen als sehr schneller Walzer (ohne Hüpfschwung). Der Hüpfer gehört in der Regel zur Böhmischen beziehungsweise Deutschen Polka, die Französische Polka wird ohne Hüpfer getanzt.

Hierzu auch in MaikeB: „Ein Beispiel für die ungleiche Ausführung einer Figur infolge abweichender Geschwindigkeit ist Teil B von ‚Maike, wutt du noch nich up‘ gegenüber der vom ‚Settedanz‘. Auf diesen Umstand weisen wir Anfänger hin, wenn sie es vorziehen sollten, für die Dauer des Einübens die Schnelligkeit zu vermindern.“
In MaikeB heißt es zum „Anspielen bei Kreistänzen“:
„Der Musikabschnitt A wird zu Beginn der ersten Kehre viermal gespielt, zuerst als Einleitung. Beim zweitenmal pflegen die vier Paare am Platz zu verharren und die zum Kreis gefaßten Hände wechselnd vor- und rückwärts zu bewegen. Beim drittenmal beginnt der Tanz laut Beschreibung.
In einigen Dörfern ist es üblich, daß der links- und rechtswärts zu tanzende Kreis ausgelassen wird und stattdessen die Arme vor- und rückwärts geschwungen werden. In dem Fall wird Musikabschnitt A entsprechend weniger gespielt.“

MaikeW: „Ein sogenannter ‚Achttouriger‘ aus der Gegend von Bückeburg. Sie werden achtmal getanzt mit Mädchenkreis und Burschenjoch (eine Art Mühle) beziehungsweise Burschenkreis, bis die Zahl erreicht ist. Wir begnügen uns mit drei beziehungsweise vier ‚Touren‘.“ „Wenn wir der Vielzahl von Figuren eines Tanzes durchweg eine Beschreibung entgegensetzen, gewissermaßen als Normalform, so leisten wir meines Erachtens der Vereinheitlichung des Brauchtums einen großen Dienst. Örtliche Besonderheiten können wir wegen ihrer Mannigfaltigkeit nicht im Einzelnen vermerken; wir wollen die Buntheit des dörflichen Eigenlebens, wo es noch vorhanden ist, ja auch nicht verdrängen.“ Otto Ilmbrecht scheint so auch bei diesem Tanz eigene Ideen und Meinung eingebracht zu haben. Er möchte der „Vereinheitlichung des Brauchtums“, „gewissermaßen als Normalform“ der Standardisierung des Volkstanzes dienen.

Musik mit Wiederholungen

Wenn es um die Musik geht, so haben wir viermal zweimal sich wiederholende achttaktige Phrasen. An der Küste würde man dies als Viertourigen bezeichnen. Im Landesinnern wird anders gezählt, hier wird jede achttaktige Phrase als Tour gerechnet. „Eingesessene bezeichnen als Achttourige im engeren Sinne die Tänze, die eine viergliedrige Melodie haben, deren jeder Abschnitt wiederholt wird.“ Es scheint aber, dass Otto Ilmbrecht die Touren mit den Kehren gleichsetzt, wenn er schreibt: „Wir begnügen uns mit drei beziehungsweise vier ‚Touren‘.“ In MaikeB: Der Aufbau der Achttourigen ist beim „Klapperschlunz“ zu ersehen:

  • Erste Kehre: großer Kreis
  • Zweite Kehre: eingehakt oder Rad oder Einhandfassung
  • Dritte Kehre: Kreuzfassung oder Paarkreis
  • Vierte Kehre: Mädchenkreis
  • Fünfte Kehre: Handhoch, auch Tschako-Mühle oder Oberarmfassung oder Burschenmühle oder Burschenkreis
  • Sechste Kehre: Mädchenkreis
  • Siebente Kehre: Handhoch Burschen
  • Achte Kehre: Einhand- oder Kreuzfassung
  • Schlusskreis

Handhoch, auch Tschako genannt: Die Burschen bilden mit den hochgestreckten rechten Armen über dem Kreismittelpunkt eine Turmspitze, die während des Tanzes beibehalten wird.

Die Noten zur MaikeB aus Schaumburg-Lippe. Die Geschwindigkeit ist mit 144 Viertelnoten-Schläge pro Minute sehr lebhaft
Die Noten zur MaikeB aus Schaumburg-Lippe. Die Geschwindigkeit ist mit 144 Viertelnoten-Schläge pro Minute sehr lebhaft

MaikeW wird im Teil A im Geh- oder Wechselschritt, bei MaikeB im Laufschritt (so auch bei der Kette) getanzt.

MaikeB, Rundgang der Burschen:
Takt 17 - 24: Indem die vier Burschen in jedem Takt zweimal in die eigenen Hände klappen, läuft jeder einzeln linkswärts in einem Bogen, der allmählich kleiner wird, einmal um die Mädchen herum und gelangt mit dem 16. Schritt zwischen zwei Mädchen, schräg links vor das eigene.
Rundgang der Mädchen:
Takt 17 - 24: Indem die vier Mädchen in jedem Takt zweimal in die eigenen Hände klappen, läuft jede einzeln linkswärts (auch in der Uhrzeigerrichtung) in einem Bogen, der allmählich größer wird, einmal um die Burschen herum und erreicht mit dem 16. Schritt den Platz, den der eigene bei Takt 16 eingenommen hatte.

In diesem im Bogen tanzen, der allmählich kleiner beziehungsweise größer wird, zeigt sich ebenso wie im haarscharf „dicht vorbei am rechtsstehenden Paar“ Polka tanzen, ein spielerisch risikofreudiges übermütig schwungvolles Tanzen. „Dort bläst und schmettert es, hier wirbelt und kreischt es! Überschäumende Lebensfreude hat sie alle erfaßt! Die Zurückhaltung und Verschlossenheit, die hierzulande vorherrschen, sind durch die Tänze überwunden!“

So scheint das bei Margrit Vogt zu lesende „Die Tänzer ‚schieben‘ ihre Tänzerin mit zwei Wechselschritten (Polka geradeaus) zur Mitte, so daß die Tänzerinnen Rücken an Rücken stehen“ und oft auf den Tanzböden zu sehende „Abstellen“ doch sehr zurückhaltend und brav. Da ist kein Wirbeln zu sehen und kein Kreischen zu hören, da herrscht schweigsames Schieben.

Mädchen auf dem Ehrenplatz

Die Maike „gehört zur Gruppe der Settequadrillen“ Doch das „Abstellen“ der Mädchen ist nicht als ein Entledigen und Entlasten der Burschen zu verstehen, sondern eher als ein „in Stellung bringen“ der Mädchen. Die Mitte einer Quadrille ist eine Bühne, ist Ehrenplatz. Wer hier steht, der ist gesetzt, hat eine besondere Stellung und ist der Mittelpunkt des Geschehens.

MaikeB: „Die beiden Burschen mit vier Laufschritten rückwärts auf den Platz“ bewegend treten ohne den Rücken zu zeigen vom Ehrenplatz zurück. Die Mädchen beziehungsweise die Burschen stehen in der Mitte „fassungslos“ – am Ehrenplatz ist man frei und ohne Fesseln.

MaikeB: „Indem die vier Burschen/Mädchen in jedem Takt zweimal in die eigenen Hände klappen, läuft jeder einzeln linkswärts in einem Bogen“. Sowohl Bursche als auch Mädchen laufen klatschend um die Mitte. Bei MaikeW wird nur je einmal pro Takt geklatscht.

Was in den Tanzbeschreibungen nicht steht, da es eine Selbstverständlichkeit war, sind die Referenzen. Die gegenseitigen Referenzen sind das Verbeugen der Tänzer und das Verneigen der Tänzerinnen vor und nach dem Tanz. Die erste Referenz auf dem Tanzboden vor Beginn des Tanzes gehört dem Tanzpartner, die zweite dem „fremden“ Partner zur Seite. Umgekehrt ist es beim Ende des Tanzes. Hier gehört die erste Referenz dem „Fremden“ und die letzte dem eigenen Partner.

Möge unser Tanzen voll „Wirbelns und Geschrei“ sein und überschäumende Lebensfreude ihren Platz in unserer Mitte finden.

Geschrieben von Mario Hecker


Quellen

  • Otto Ilmbrecht: Westfälische Heimattänze. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg, 1931
  • Otto Ilmbrecht: Bückeburger Heimattänze. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg, 1937
  • Margrit Vogt: Alte niederdeutsche Volkstänze. F. Coppenrath Verlag, Münster, 1986, Seite 76
  • Tanzbeschreibung von Walter Bucksch, Volkstanzkreis Freising,
    www.bairisch-landlerisch.de/maike/, November 2008
  • Tanzbeschreibung der Schaumburger Tanz- und Trachtengruppe Seggebruch e. V.,
    www.trachtengruppe-seggebruch.de/html/maike.html
  • Herrmann Salzwedel, Heinrich Weiland: Wo die roten Röcke fliegen. Trachten und Volkstänze aus dem Schaumburger Land. Esche-Verlag, Bückeburg, 2. Auflage 1981

Der Deutsche Bundestag hat Änderungen im Vereinsrecht beschlossen, und zwar mit dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie im Zivil-Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ und den damit verbundenen rechtlichen Konsequenzen für die Vereins- und Verbandsarbeit.

Neu: Durch Artikel 2, § 5, Absatz 1 des Gesetzes wird geregelt, dass der Vorstand, falls keine Neuwahl erfolgen kann, jetzt weiter im Amt bleiben kann, auch wenn dies in der Satzung nicht geregelt ist.
Hiervon unberührt bleibt jedoch die Möglichkeit der Abberufung eines Vorstandsmitglieds (§ 27, Absatz 1, S. 1 BGB).
Vereine brauchen also nichts zu veranlassen, wenn die Amtszeit des Vorstands in diesem Jahr bereits abgelaufen ist, ohne dass eine Nachwahl in der Mitgliederversammlung stattgefunden hat und keine Übergangsklausel in der Satzung enthalten ist.

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Mitgliederversammlung

Neu: Abweichend von § 32, Absatz 1, Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann der Vorstand nun auch ohne Ermächtigung in der Satzung Vereinsmitgliedern ermöglichen, an der Mitgliederversammlung ohne Anwesenheit am Versammlungsort teilzunehmen und Mitgliederrechte im Wege der elektronischen Kommunikation auszuüben oder ohne Teilnahme an der Mitgliederversammlung ihre Stimmen vor der Durchführung der Mitgliederversammlung schriftlich abzugeben.

Dies bedeutet, dass quasi eine „virtuelle“ Mitgliederversammlung stattfinden kann, um auch Mitgliedern, die nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen, zu ermöglichen, ihr Stimmrecht auszuüben. Dabei ist auch möglich, dass ein Teil der Mitglieder oder Vorstandsmitglieder an einem bestimmten Ort zusammenkommt und andere Mitglieder an der Mitgliederversammlung im Wege elektronischer Kommunikation teilnehmen. Ungeklärt ist die Frage, was bei Vereinen gilt, bei denen eine nennenswerte Zahl von Mitgliedern nicht über die Voraussetzungen für eine Teilnahme an einer virtuellen Versammlung verfügt (fehlende technische Ausstattung und Kenntnisse). Hier könnte eine „besondere Erschwernis“ für die Teilnahme bestehen und getroffene Beschlüsse können zwar nicht von vornherein unwirksam, aber möglicherweise anfechtbar sein.

Die virtuelle Mitgliederversammlung wird damit der bisher üblichen Präsenzversammlung gleichgestellt.

Doch wie kann eine solche virtuelle Mitgliederversammlung gelingen? Wie kann ein guter Austausch organisiert und wie können verbindliche Entscheidungen getroffen werden? Eine Vertreterin des Vereins Digital Media Women e. V. hat die Erfahrungen und damit viele praktische Hinweise für die Durchführung einer virtuellen Mitgliederversammlung in einem Bericht auf der Vereinswebsite veröffentlicht.

Stimmrecht

Neu: Abweichend von § 32, Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist nun ein Beschluss ohne Versammlung der Mitglieder gültig, wenn alle Mitglieder beteiligt (vorab über das Verfahren informiert) wurden, bis zu dem vom Verein gesetzten Termin mindestens die Hälfte der Mitglieder ihre Stimmen in Textform abgegeben haben und der Beschluss mit der erforderlichen Mehrheit gefasst wurde.

Vorstandssitzungen

Neu: Im neuen Gesetz werden Vorstandssitzungen nicht ausdrücklich erwähnt. Aus der Begründung für das Gesetz ist jedoch zu erkennen, dass bei der Formulierung der Sonderregelungen für die Mitgliederversammlungen auch an die Vorstandsitzungen gedacht wurde. Die Regelungen für die Mitgliederversammlung gelten daher auch für Vorstandssitzungen.

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Kann der Mitgliedsbeitrag zurückgefordert werden?

Die Mitgliedschaft im Verein ist kein entgeltlicher Vertrag, so dass es sich hier auch nicht um einen sogenannten Verbrauchervertrag (§ 310, Absatz 3 BGB) handelt. Ein Widerrufsrecht besteht daher nicht (§ 355 BGB).

Anders ist die Rechtslage, wenn ein Mitglied finanzielle Aufwendungen hatte, um im Wege eines Leistungsaustauschs Leistungen (zum Beispiel Kurse) des Vereins in Anspruch zu nehmen. Man spricht hier auch von den unechten Beiträgen.

Beispiel: Im Fall einer Absage eines Kurses ist davon auszugehen, dass der Verein die Kursgebühren zurückerstatten muss. Wenn dagegen die Stunden nur verschoben und damit nachgeholt werden, ist die Sache anders zu betrachten. Es kommt also auf den Einzelfall an.

Kann der Vorstand auf Mitgliedsbeiträge verzichten?

Nein! Dem Vorstand obliegt die sogenannte Vermögensbetreuungspflicht. Im Rahmen seiner Geschäftsführungspflichten ist er für die Erhaltung des Vereinsvermögens und der Vermögensinteressen des Vereins verantwortlich. Der Vorstand macht sich gegenüber dem Verein haftbar, wenn er die Beiträge nicht erhebt.

Wenn im Verein WhatsApp-Gruppen für die Vereinskommunikation existieren, so sind diese nicht gesetzeskonform, da WhatsApp die im Mobiltelefon gespeicherten Kontaktdaten an WhatsApp übermittelt – was nicht den Datenschutzbestimmungen der EU-DSGVO entspricht. Dabei ist es gleichgültig, ob die Gruppenmitglieder ihre Einwilligung erklärt haben, da diese lediglich eine Rechtsgrundlage für die Nutzung der Daten bietet, jedoch nicht die Betroffenenrechte auf Information, Auskunft oder gar Löschung außer Kraft setzt. WhatsApp darf daher nur rein privat genutzt werden!
(DSGVO-konforme alternative Chat-App: „Threema“)

Das Kunsturhebergesetz (KUG) ist im Sinne der EU-DSGVO als Spezialisierungsgesetz anzusehen. Bei öffentlichen Veranstaltungen sind Bilder mit Publikum wie bisher als „Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte“ zu werten. Bei der Veröffentlichung von Bildern von Einzelpersonen ist vorab eine schriftliche Einwilligung einzuholen, die darüber informiert, wo diese Bilder später veröffentlicht werden. Bei Minderjährigen muss diese Einwilligung von allen Sorgeberechtigten unterzeichnet werden.

Keine neuen Einschränkungen durch die DSGVO

Foto- und Filmaufnahmen berühren Persönlichkeitsrechte, und diese werden vom „Kunsturhebergesetz“ (KUG) geregelt, das auf das Jahr 1907 zurückgeht. Das Ablichten von Personen ohne deren Einwilligung ist also nicht erst seit der DSGVO, und auch nicht erst seit dreißig Jahren, sondern seit 1907 verboten – wir haben hier eine seit über hundert Jahren bestehende und auch nie geänderte Rechtslage.

Warum ist diese Situation trotzdem für viele Menschen neu? Vielleicht hängt das mit der Digitalisierung und der damit verbundenen raschen Verbreitung preisgünstiger Aufnahmetechnologie zusammen. In den letzten Jahren wurde es mehr und mehr üblich, bei jeder Gelegenheit das Smartphone zu zücken, um zu filmen. Filmaufnahmen bei Veranstaltungen und Festen wurden für alle selbstverständlich und kaum jemandem war klar, dass dabei Gesetze missachtet werden. Aber vielleicht führt gerade diese ungehemmte Verbreitung von Bildern und Videos zum Beispiel auf Facebook und Youtube jetzt dazu, dass das Pendel wieder in die andere Richtung schwingt und viele Menschen wieder verstärkt auf ihre Daten achten.

Die LAG Tanz Schleswig-Holstein hat 1990 übrigens die Kamera angeschafft und die Anmeldeformulare durch ein „Ich bin mit der Aufnahme einverstanden – Ja/Nein“-Ankreuzfeld ergänzt. Die Videoaufzeichnungen blieben auf den Kreis der Lehrgangsteilnehmer beschränkt und es hat nie Probleme gegeben. Die Aufnahmen waren eine große Hilfe, und die Regeln waren transparent – dann stimmen die Teilnehmer in der Regel auch zu.

Und noch was: Mit der Datenschutzgrundverordnung hat das alles rein gar nichts zu tun. Die DSGVO legt lediglich fest, welche Daten für welchen Zweck erhoben werden dürfen und regelt die Speicherung dieser Daten.

Festumzüge dürfen fotografiert werden

Der Vollständigkeit halber muss ergänzt werden, dass es auch Ausnahmen gibt:

  • Bei Politikern, bei Personen der Zeitgeschichte, Schauspielern, usw. gibt es ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit an relevanten Geschehnissen, das in diesen Fällen höher bewertet wird als das Recht am eigenen Bild.
  • Personen dürfen auch dann fotografiert werden, wenn sie für das Bild nebensächlich sind. Ablegende Kreuzfahrer mit winkenden Menschen oder Aufnahmen von Bauwerken mit Menschen drauf (Brandenburger Tor) usw. sind solche Beispiele – diese Aufnahmen sind für private Zwecke erlaubt.
  • Auch Menschenansammlungen dürfen fotografiert werden, weil hier das Augenmerk auf dem Gesamtgeschehen liegt und das Wiedererkennen von Einzelpersonen schwierig ist. Darunter fallen zum Beispiel Festumzüge. Aber diese Bilder dürfen nicht für Werbezwecke benutzt werden. Wenn ihr euch also auf einer Facebook-Seite wiederfinden solltet, auf der ihr euch nicht wohlfühlt, könnt ihr durchaus dagegen angehen.
  • Achtung beim Aufnehmen von Kindern und Jugendlichen! Hier muss die Einwilligung der Erziehungsberechtigen schriftlich vorliegen!

Gelebte Praxis

Die LAG Tanz Schleswig-Holstein macht seit dreißig Jahren Foto- und Filmaufnahmen auf ihren Veranstaltungen. Wir holen von jeher das Einverständnis der Teilnehmer vorab ein und informieren auch, welchem Zweck die Aufnahmen dienen. Unsere Erfahrungen sind, dass die Teilnehmer dann normalerweise auch nichts dagegen haben, aufgenommen zu werden. Einer Veröffentlichung von Bildern in unserer Mitgliederzeitung oder auf unserer Internetseite wird eigentlich auch immer zugestimmt. Auf Facebook möchten sich hingegen schon nicht mehr alle wiederfinden – hier stellen wir deshalb grundsätzlich keine Bilder ein. Auch von „Dritten“ mögen sich Lehrgangsteilnehmer nicht gern filmen lassen. (Diese dürfen auch gar nicht filmen, weil sie das vorgeschriebene Einverständnis nicht eingeholt haben – allein der Hinweis führt leider oft schon zum Streit). Um diesen von vorneherein zu vermeiden, verbieten unsere Lehrgangsbedingungen grundsätzlich Foto-, Film- oder Tonaufnahmen durch Lehrgangsteilnehmer oder Dritte.

Bei Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen gelten schärfere Regeln, hier müssen alle Erziehungsberechtigen schriftlich zustimmen (bei getrennt lebenden Paaren oft ein Problem), und die Erklärungen müssen so lange aufgehoben werden, wie die Bilder öffentlich gezeigt werden. Die Zustimmung kann sogar im Nachhinein widerrufen werden. Bei Jugend-Großveranstaltungen, wie zum Beispiel dem Landeswettbewerb „Jugend tanzt“ mit 500 Mitwirkenden, ist ein A4-Blatt mit dem Einverständnis (oder Nicht-Einverständnis) von Fotoaufnahmen für jeden Teilnehmer Bestandteil des Anmeldeverfahrens. Gruppen, bei denen auch nur ein Kind diese Einverständniserklärung nicht abgegeben hat, werden von uns nicht fotografiert. Aber das sind Ausnahmen, grundsätzlich freuen sich die Jugendlichen über veröffentlichte Bilder. Das eigentliche Problem stellt die Veröffentlichung von Fotos durch Dritte dar. Wir weisen während der Veranstaltung mehrfach darauf hin, dass Aufnahmen durch Zuschauer unzulässig sind. Das hindert die Familie oder Freunde trotzdem oft nicht daran, das Handy zu zücken – aber wir als Veranstalter sind damit aus der Haftung!

Und wir sollten der DSGVO danken! Obwohl sie mit diesem Thema praktisch nichts zu tun hat, hat sie aber bei ihrem Inkrafttreten vor zwei Jahren den Themenkreis der Datensicherheit und des Datenschutzes wieder in Bewusstsein der Akteure gerückt und die Verantwortlichen in die Pflicht genommen, eingefahrene Praktiken neu zu bewerten und gegebenenfalls auch zu ändern.

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