Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e.V.

Volkstänzer

Der Begriff des Volkstanzes ist erst Anfang des vorigen Jahrhunderts entstanden. Sollen wir ihn schon wieder aufgeben, weil er heute in der Betrachtung von außen mit Vorurteilen belegt ist? Dieser Frage geht die Autorin nach.

 

 

Volkstanz ist Veränderung!

Volkstänze befinden sich schon immer in einem schnellen Transformationsprozess. Jeder Fehler, der im Ablauf getanzt wird, kann dauernde Veränderung nach sich ziehen. Die Balkantänze, die uns beigebracht werden, halten wir Zentraleuropäer für weitgehend authentisch. Dennoch, viele sind so weit verändert, dass sie in ihrem Ursprungsland unbekannt sind. Gibt es den „wirklichen Volkstanz“ überhaupt noch? Also die Tänze, die aus der Quelle der Landbevölkerung kommen. Ja, sie gibt es, aber sie sind einfach, häufig langsam und damit unattraktiv für uns. In unserer tanzenden Lebenswelt gibt es sie nicht mehr. Wir leben damit, dass „unsere“ Volkstänze, also die in unserem Gruppenprogramm, mit den choreografischen Elementen des Volkstanzes zusammengestellt wurden.

Die Namen für „unsere“ Tänze wurden vielfältiger und sind in den Ländern selbst nicht bekannt. Wollten die Menschen auf den Dörfern tanzen, gingen sie zu den Musikern, sangen eine von den drei im Dorf bekannten Melodien und die Musiker spielten den Tanz für eine Geldspende. Wir dagegen brauchen Namen für die Tänze, um die Musikkonserve in unserer Liste zu finden, die zu unserem Tanzrepertoire gehört. Waren die Tänze überregional bekannt, dann wurden sie nach der Region benannt aus der sie kamen, zum Beispiel der Pravo aus Thrakien. Mit dem Tanztitel „Ovcata“ (Schaf-Ferch) wüsste kein Musiker in Bulgarien etwas anzufangen. Bei uns steht der Name für einen festen Tanzablauf, einen sogenannten „Volks“tanz.
Dieses Blitzlicht auf Balkantänze für alle, die meinen, dass unsere Form zu tanzen (Volkstanz) sich an die Vergangenheit klammert.
….und in Deutschland?

Woher kommt der Begriff „Volkstanz“

Vierzig Jahre bevor in Russland Bauerntänze im staatlichen Auftrag zu Choreografien wurden, sammelten Tanzenthusiasten in Deutschland die Tänze der Bauern, notierten sie, veröffentlichten sie und tanzten sie. Sie wurden auch Heimat-Tänze genannt. Denn „Die Heimat“ war im vorletzten kriegsgeschüttelten Jahrhundert, in der Romantik, ein überhöhter bürgerlicher Begriff, der im Kontrast zur Industrialisierung mit Landflucht, stand. Es wurden fast zeitgleich die sogenannten Jugendtänze von Laien choreografiert und tänzerisch in vielen unterschiedlichen Organisationen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausprobiert. Tanzen war ein Freizeitvergnügen der Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, aller Altersstufen und ohne staatliche Lenkung. Damals existierten das Wort und die Kategorie „Volkstanz“ nicht, obwohl es das Ballett, den Ausdruckstanz, als seine „Modernisierung“, sowie Gesellschaftstanz und Modetänze (Schieber) gab. Das Wort „Volkstanz“ tauchte erstmals 1905 in Zusammenhang mit einem Seminar für Dänische Tänze von Anna Sievers und Ana Iversen in Hamburg auf. Es wurden „Folke“dansen aus Dänemark unterrichtet. Damit wurde „Folke“dansen 1:1 übersetzt und der Begriff „Volkstanz“ gebraucht, der dann erhalten blieb und uns heute in der Betrachtung von außen mit Vorurteilen belegt, einer politischen Gruppe zuordnet und uns deren Überzeugungen überstülpt. Benutze ich das Wort „Volkstanz“ ist die Zuordnung zu einer Gesinnung sehr viel leichter, als wenn ich nur das Wort „Tanz“ erwähne. Somit liegt es nahe den Begriff „Volkstanz“ aufzugeben.

Wollen wir den Begriff „Volkstanz“ aufgeben oder beibehalten? Ist er doch in vielen Köpfen als negativ belastet eingespeichert. „Framing“ nennt man das, wenn mit einer kurzen Formulierung im menschlichen Gehirn eine Kaskade von Meinungen und Urteilen losgetreten wird, die zu einer meist irrationalen Annahme/Entscheidung führt und besonders die Aufnahme anderslautender Informationen blockiert.

Nach meiner Einschätzung wird der Begriff „Volkstanz“ noch lange negativ beladene Bilder hervorrufen, so dass wir heute eigentlich nur zwei Möglichkeiten haben: Den Begriff aufzugeben oder ihn trotzig beizubehalten und versuchen das Framing zu verändern.

Wir gehören an den „Runden Tisch Tanz“ Berlin

Geben wir den Begriff auf und sagen, dass wir tanzen wie alle anderen, könnte es sein, dass diese Kühnheit die professionelle Tanzszene und ihre Protagonisten alarmiert. Denn machen wir uns nichts vor, es ist wichtig, dass wir Volkstänzer mit allen Vorurteilen behaftet bleiben, damit die Förderung des zeitgenössischen Tanzen eine umso größere Berechtigung erfährt. Wenn wir „nur“ tanzen, wird der Abstand zu uns deutlich kleiner und bedrängend, da wir zahlenmäßig viele sind. Wenn man die soziokulturellen Tanzaktivitäten aller Altersstufen zusammen nimmt, die sich im gemeinen Volk großer Beliebtheit erfreuen, dann sind wir, alle Sparten zusammen genommen, sehr, sehr viele. Dann gibt es keine Ausflüchte mehr, warum der „Volkstanz“ nicht zum „Runden Tisch Tanz“ der Kulturverwaltung in Berlin eingeladen wird. Ein Grund uns auszuschließen könnte höchstens sein, dass wir keine Tanzprofis auf Bühnen sind. Das wäre sogar verständlich. Aber der „Runde Tisch Tanz“ sollte, zum besseren gegenseitigen Verständnis, alle Gruppen wenigstens hören. Auch uns, sind wir doch ohne staatlichen Auftrag entstanden und gewachsen.
Wir tragen in erheblichem Maß zu einer tanzenden Gesellschaft bei. Hinzu kommt die Bedeutung unseres lebenslangen Tanzens als Gesundheitsförderung und zur Prävention von dementiellen Erkrankungen. Tanzen, Singen und Rhythmuserfahrung entwickeln das kindliche Gehirn und fördern die Musikalisierung der Gesellschaft. Rhythmus und die Bewegung in der Musik tragen zu einer guten Einteilung von Zeit und Kraft bei und die geistige und körperliche Beweglichkeit wird gefördert. Gerade wegen der Gesundheitsförderung aller Altersstufen gehören wir an den „Runden Tisch Tanz“ Berlin.

Volkstanz ist ein Mittel der Kommunikation

Unsere Gegenwart am „Runden Tisch Tanz“ würde vielleicht auch dazu führen, dass endlich die Geschichte des modernen (Volks)Tanzes Eingang in die akademische Ausbildung der zeitgenössischen Tänzer:innen finden würde, damit bei ihnen ein Weg geebnet wird uns überhaupt zur Kenntnis zu nehmen und die Tanzgeschichte des Volkstanzes bei ihnen nicht bei Curt Sachs aufhört.

Also, was nun? Tanzen oder Volkstanzen? Ich werde in Zukunft nur von „Tanz“ schreiben, auch wenn ich Volkstanz meine, da ich die Vorurteile in den Köpfen meiner Gesprächspartner nicht bedienen will. Es fällt mir sehr schwer, da mir das Wort „Volkstanz“ auch nach 115 Jahren immer noch richtig erscheint, weil es eine Aktivität tanzender Menschen aus dem Volk beschreibt, die sich alleine, im Kreis, zu zweit oder in einer Formation in der Musik bewegen, die sich selbst ohne staatlichen Auftrag organisieren und über Grenzen hinweg ein Mittel der Kommunikation mit anderen Volkstänzer:innen überall auf der Welt haben, den Volkstanz.

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