Deutsche Gesellschaft für Volkstanz e.V.

Der Hahnentanz im Steinlachtal (Württemberg), nach einer Originalskizze von G. Arnold

Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der meisten Geschichten aus überlieferten Originalberichten sowie neuere Entwicklungen zum Hahnentanz in Baden und Württemberg.

 

Eichelhänger und Hahnentanzen im Steinlachthal in Schwaben (nach der Natur gezeichnet von Friedrich Ortlieb)
Eichelhänger und Hahnentanzen im Steinlachthal in Schwaben (nach der Natur gezeichnet von Friedrich Ortlieb)

 Die Geschichten und Geschichte vom Hahnentanz sollen zeigen, dass der Hahnentanz in seiner Hochblüte, eine Veranstaltung für alle Bewohner der Orte war, in denen der Tanz abgehalten wurde. Der Preis dieses quasi Geschicklichkeits- und Preistanzes war lange Zeit der Hahn, der in einem Käfig auf einem senkrechten Balken war. In früherer Zeit war der Tanz nicht nur auf Berufs- und Vortanzgruppen reduziert. Bei der späteren Entwicklung war der Hahn, wenn überhaupt, nicht immer der Hauptpreis, sondern es wurde unter anderem Zubehör zur Kleidung (Tracht) ausgelobt. In Überlieferungen ist auch deutlich zu erkennen, dass diese Art von Tanz von den weltlichen und kirchlichen Obrigkeiten nicht sehr beliebt war. Trotz der negativen Beurteilung wurden derartige Tanzveranstaltungen von und für adlige Personen gefördert. Beispiele sind unter anderem Teinach (Königin Charlotte Mathilde von Württemberg [1766 bis 1828] stiftete jährlich fünfzig Gulden) und Hohenheim bei Stuttgart (Hahnentanz an Geburtstagen von Herzog Carl Eugen von Württemberg).

Nach der Durchsicht der Mitteilungen, in wieviel Orten in Baden und Württemberg der Hahnentanz abgehalten wurde, muss man davon ausgehen, dass es weit mehr Veranstaltungsorte gab, als dies derzeit bekannt ist. In der langen Existenz des Hahnentanzes hat sich dieser auch in der Ausführungsform geändert. So wurde die Veranstaltung noch immer Hahnentanz genannt, obwohl der Hahn weder ausgelobt noch überhaupt bei der Tanzgelegenheit vorhanden war. Die Veranstaltung hat sich einfach zu einem Gewinnspiel entwickelt, ohne etwas mit einem Hahn zu tun zu haben. Wurde die Vorrichtung ohne Korb mit einem Hahn darin weiterverwendet, so ist daraus der sogenannte Bechertanz entstanden (Bad Urach).

„Die Veränderungen in Politik, Wirtschaft und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten, ließen die ursprüngliche Form des Hahnentanzes verschwinden.“

Die Veränderungen in Politik, Wirtschaft und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten, ließen die ursprüngliche Form des Hahnentanzes verschwinden. So konnte bis vor kurzem der am längsten in der alten Ausführung getanzte Hahnentanz in Bad Teinach, durch den Übergang des Tanzplatzes in einen Bauplatz nicht mehr ausgeführt werden. Es ist damit nur noch die Vortanzversion übriggeblieben und der Hahnentanz wird allein von Tanzgruppen gezeigt. Ein Mittanzen für die Allgemeinheit ist nicht mehr möglich. Es soll jedoch nicht vergessen werden, darauf hinzuweisen, dass seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Süßen regelmäßig ein Hahnentanz in der Präsentationsform aufgeführt wird. Diese Version geht auf ein Theaterstück des Heimatdichters aus Süßen zurück. Eine direkte Überlieferung für diesen Ort ist nicht bekannt. Die nachfolgenden Geschichten über den Hahnentanz enthalten auch Hinweise, dass es in angrenzenden Ländern, wie Bayern, Hessen und Frankreich/Elsaß ebenfalls Hahnentanzveranstaltungen gegeben hat.

 

Der Hahnentanz nach einem Gemälde von H. Schumann in „Die Gartenlaube 1884“, Seite 632
Der Hahnentanz nach einem Gemälde von H. Schumann in „Die Gartenlaube 1884“, Seite 632

 

„Bräuche, in denen der Hahn im Mittelpunkt als Symbol und Träger der Fruchtbarkeit steht, sind schon aus der Antike bekannt.“

Vom Hahnentanz in Baden und Württemberg

Neben den lang überlieferten und heute noch aktuellen und sehr bekannten Hahnentänzen, wie jenen in Bräunlingen, Markgröningen, Bad Urach, Wildberg und bis vor kurzem in Bad Teinach, gab es noch weit mehr Veranstaltungen in Württemberg und sicher auch in Baden, bei denen das Tanzen um einen Hahn stattfand. Diese Volksbelustigung war meist im ausgehenden Sommer oder zu Beginn des Herbstes. Sie waren jedoch selten bei der Kirchweih, angesiedelt. Oftmals wurde der Hahn zum Tanz von der Obrigkeit und oder Herrschaftsfamilien aus einem entsprechendem Anlass gestiftet, was diesem Tanzspektakel noch ein besonderes Flair gab. Der Tanz um den Hahn ist mit dem Hahnreiten, dem Hahnschlagen, mit dem Hahn im Erntekranz und ähnlichen Bräuchen zu vergleichen. Bräuche in denen der Hahn im Mittelpunkt als Symbol und Träger der Fruchtbarkeit steht, sind schon aus der Antike bekannt. Aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts ist zum Hahnentanz folgender Mehrzeiler überliefert:
Pfeif auf, spileman!
ich will tanzen um den han
und will den ersten reien springen.
oder Beit ein weil, spileman
Ich will tanzen um den han.
Es ist jedoch nicht bekannt, welche der heute bekannten Versionen getanzt wurde. Die Obrigkeiten und die Religion waren dem Tanz nicht immer wohlgesonnen.

 

Hahnentanz in Baden
Hahnentanz in Baden
Hahnentanz in Württemberg
Hahnentanz in Baden

 

Tanzverbote als zeitlicher Nachweis

Wann, warum und wo der Hahnentanz zum ersten Mal getanzt wurde, ist nicht bekannt, da zur genauen Festlegung die entsprechenden Unterlagen fehlen. Man kann momentan nur mit Hilfe von Tanzverboten festlegen, bis wann es diese dörfliche Unterhaltung gab. So ist ein entsprechender Hinweis zum Tanzverbot des Hahnentanzes in den Ratsprotokollen von Schwäbisch Hall zu lesen: „… bemerken wir noch, dass 1525 das ‚um den Hahnentanzen‘ und ‚das Schleichenlaufen‘, 1642 ‚das Opfergeld holen‘ und andere Bräuche verboten wurden“.[1] Die Polizeiordnung von Ansbach[2] (1549) schildert außergewöhnliche Verfehlungen beim Hahnentanz und verbietet diesen. In dem 1677 erschienenen Buch „TantzTeuffel“[3], wird über den Hahnentanz unter der Betrachtung von nicht genehmigten Kirchweihtänzen und Sabbat Schändungen folgendes mitgeteilt: „Neben solchen Kirchweih-Tänzen und unverantwortlicher Sabbats Schändung / hat auch etlicher Orten Hammeltänze / da man um einen Hammel springt bei einem geladenen Rohr / wie es diejenige besser wissen die es gesehen: In Gleichem Hahnen- oder Göckers-Täntze, da unter dem Tanzen die Knechte den Mägden in die Arme springen und von denselben in die Höhe geschwungen werden, all wo ein Glas Wein besonders gesetzt ist und mutwillig verschüttet wird, damit hernach derjenige, der den Hahn ertanzte, solchen zum Besten gebe und viele Gäste dem Wirth zuführe, auf dass die Nacht mit Schwelgen und Saufen bei Einladung der Mägde zugebracht werde. Ein christliches Herz entsetzt sich billig, wenn es dergleichen hört und sieht.“

Der Tanzplatz und die Grundtanzform

 

Hahnentanz in Markgröningen
Hahnentanz in Markgröningen

Hört man heutzutage den Hinweis: „Es wird ein Hahnentanz getanzt“, so hat man bestimmte Vorstellungen über den Ablauf dieses Tanzes. Doch ergibt sich bei genauer Betrachtung der Überlieferungen, dass es drei Ausführungen gibt, die sich alle auf einem Tanzplatz im Freien abspielen. Ist kein fester Tanzplatz vorhanden, so wird dieser dadurch festgelegt, dass er einfach abgesteckt wird. In der Mitte dieses Platzes wird ein Balken senkrecht errichtet, der etwa 2,70 Meter (früher 9 Zoll) hoch ist. Auf dessen Spitze ist ein hölzerner Käfig für einen Hahn. Unter diesem Käfig geht seitwärts ein hölzerner Arm ab an dem ein Brettchen oder hölzerner Teller an Schnüren hängt. Auf dieses Brettchen wird ein mit Wasser gefülltes Glas gestellt. Zu besonderer Musik (Walzer oder Polka) wird um die genannte Vorrichtung als Mittelpunkt getanzt. Mit einem besonderen musikalischen Hinweis durch die Musik (Verzögerung oder kurzer Stopp) oder einem Knall, wird angezeigt, dass das Tanzpaar das gerade unter dem Brettchen ist, durch Geschicklichkeit und Kraft, das mit Wasser gefüllte Gefäß, mittels Hochhebens des Tanzpartners umstoßen kann. Erfolgreich war das Paar, das es dreimal schaffte, den Becher oder das Glas am besten umzustoßen. Das heißt: nicht nur umzustoßen, sondern dabei auch am wenigsten nass zu werden. Bei Regen findet der Tanz in einer großen Scheune statt.

 

Die Tanzausführungen:

A) Aktuell gibt es dazu zwei Ausführungen: In der wahrscheinlich ältesten Tanzform stemmt die Tänzerin ihren Partner so hoch, dass er mit Glück das Brettchen erreicht und dabei auch das Glas umstoßen kann. Zum Hochstemmen des Tänzers fasst die Tänzerin ihren Partner unterhalb des Knies, falls vorhanden am Knieriemen der Lederhose, und hat so einen wirkungsvollen Griff. Das Hochstemmen der Tänzerinnen durch den Tänzer wird bis in die neuere Zeit nicht erwähnt. Diese Version wird seit 1823 vom Gebiet der Baar so notiert [4] und noch heute in Bräunlingen im Breisgau in der Nähe von Freiburg getanzt. Verantwortlich für den Baaremer Hahnentanz, wie er dort genannt wird, ist der Heimat- und Trachtenbund Bräunlingen e. V. Aufgeführt wird er jedes Jahr am 3. Oktoberwochenende während der „Bräunlinger Kilbig“ Außerdem wird der Tanz noch nachgewiesen: 1860[5] in Bad Teinach.

Die Ausführung des Hahnentanzes in Bad Teinach unterschied sich in den letzten sieben Jahren doch ein wenig von den heute üblichen Tanzformen. Grundsätzlich war der Tanz wie früher, für die Allgemeinheit und ohne Vortanzgruppe, unter der direkten Aufsicht des Bürgermeisters. Dieser variierte die Höhe der kleinen Plattform mit dem Wasserglas entsprechend der Körpergröße der Tänzerin, die den Tänzer hochhob. Der Hauptpreis war nicht mehr der Hahn, sondern es gab jedes Jahr einen besonderen Preis, der von der Stadtverwaltung festgelegt wurde. Weitere Preise waren für die nachfolgenden Plätze 2 bis 4 vorgesehen [6]. Der Tanz wurde bis 2012 getanzt. Die Stadtverwaltung organisierte ihn und hat ihn so wie in alter Zeit so durchgeführt, dass die Tänzerin den Tänzer hochhob. Die Tanzfläche wurde vor kurzem zu Bauland und danach fand sich keine Tanzfläche mehr, auf der der Tanz hätte durchgeführt werden können. Dadurch ist der Tanz leider jetzt abgegangen.

Weiter sind Hahnentänze nachgewiesen: 1840 in (Stuttgart-)Heslach[7], 1862 in Boms[8], 1868[9] in Belsen bei Mössingen. Alle jedoch zwischenzeitlich abgegangen.

B) Bei den heute ausgeführten Tänzen werden oft in zwei Durchgängen je einmal der Tänzer und einmal die Tänzerinnen hochgehoben. Gewonnen hat das Paar, das am besten bei beiden Versuchen das Glas geleert hat.

Getanzt wird diese Version in Markgröningen seit 1863 beim Schäferlauf, welcher bereits seit 1443 stattfindet. Diese Tanzversion wird auch in Wildberg, jeweils jedes zweite Jahr und jährlich in Süßen gezeigt. Dort wird der Tanz seit 1980 während des Stadtfestes getanzt, inspiriert durch ein gereimtes Theaterstück aus dem 19. Jahrhundert. Getanzt wird unter Mitwirkung der Bevölkerung und Tanzpaaren aus eingeladenen Volkstanzgruppen. Die Süßener Tanzgruppe tanzt den Hahnentanz auch außerhalb ihres Heimatortes, was von anderen Orten und Tanzgruppen nicht geschildert wird.

C) Nicht in allen Orten hat sich der Hahnentanz in einer der beiden oben genannten Formen erhalten. Vermutlich ist die nachfolgend beschriebene Ausführung diejenige, welche die letzte vor dem totalen Abgehen des Tanzes in seiner Allgemeinform ist. Der Hahn als Preis ist wohl noch erhalten, aber er ist nicht mehr während des Tanzes auf einer Stange, wogegen die Stange noch den Mittelpunkt des Tanzplatzes markiert. Es wird auch noch berichtet, dass anstatt der Stange, der Hahn im Käfig den Mittelpunkt des Tanzplatzes markierte.

Zu Beginn erhält ein Paar eine Markierung in Form eines kleinen Blumenstraußes oder einer kleinen Fahne. Die Markierung muss während des Tanzens nach einem bestimmten Tanzabschnitt nach rückwärts zum nächsten Paar weitergegeben werden. Außerhalb des Tanzkreises steht eine neutrale Person, die mit einem entsprechenden Gerät einen Knall ertönen lässt. In dem Augenblick in dem der Knall ertönt, ist der Tanz zu Ende und das Paar, das jetzt die Markierung in der Hand hat, hat den Hahn oder andere, als Hauptpreis festgelegte Dinge, gewonnen. Zeitweise war es noch üblich, dass die Tänzerin Teile zu ihrer Tracht bekam und der Tänzer einen neuen Hut. Natürlich waren Speis und Trank mit dabei. 1729 wird erwähnt, dass in Höslach (heute Stuttgart-Heslach) der Hahnentanz wie oben beschrieben an der Kirchweih getanzt wurde. Wer teilnehmen wollte musste Eintritt dazu bezahlen. Ohne dass Eintritt zu bezahlen war, wird der Tanz 1862 in Wolfartsweiler, Ennabeuren, Haid und von Betzingen 1864[10] erwähnt.

D) Zu einer Variation des Hahnentanzes gehört eigentlich der Bechertanz, wie er heutzutage beim Schäferlauf in Bad Urach seit 1721 stattfindet. An der Stange in der Mitte des Tanzplatzes, die umtanzt wird, ist oben ein Reif angebracht, in dem ein Becher mit Wasser steht. Die teilnehmenden Paare versuchen auch hier das Glas erfolgreich umzustoßen und dabei nicht nass zu werden. Für das Siegerpaar gibt es die vor dem Tanz festgelegten Preise. In den Augsburger Nachrichten ist am 1. August 1863 zu lesen, dass am 27. Juli Jakobi-Feiertag, in alter Weise der vor 140 Jahren gegründete „Schäferlauf“ und „Hahnentanz“ hier gehalten wurde. Beim Hahnentanz rangen, um die, von einer hiesigen Dame gestifteten, 13 Preise, etwa 30 Paare [11]. In „Unsere Heimat“[12], erschien 1935 im Silberburgverlag GmbH Stuttgart, unter dem Titel „Zum Schäferlauf nach Urach“ ein undatierter Erlebnisbericht über den Jakobimarkt in Urach. Unter anderem wird dort auch geschildert, dass sowohl der Becher-, als auch der Hahnentanz getanzt wurden. Im selben Jahr erschien ein Tanzheft mit dem Titel „Heimattänze aus Württemberg“ in dem die Tanzversion und die Noten zum Hahnen- und Bechertanz enthalten sind.[13] Als Ort in dem der Hahnentanz aufgezeichnet wurde, wird Grafenberg genannt. Es wird auch auf andere Ortschaften hingewiesen, in denen derselbe Tanz auch getanzt wurde.

Hahnentanz an vielen Orten

Leider ist es nicht möglich, bei allen Orten in denen ein Hahnentanz nachgewiesen wurde, die Tanzform noch festzustellen. Doch sollen hier zur Vollständigkeit die Orte aufgeführt werden, in denen frühere Berichterstatter den Hahnentanz erwähnten. 1852 wird berichtet, dass im westlichen Teil des Oberamtsbezirkes Leonberg, zum Beispiel in Wimsheim und anderen näheren Orten, der Hahnentanz zuweilen noch getanzt wurde.[14] In Hohenheim bei Stuttgart wurde der Tanz 1780, 1781 mit hundert Paaren, 1782 mit zehn Paaren abgehalten. Anlass war jeweils der Geburtstag am 4. November von Herzog Carl Eugen von Württemberg. Dies hat Gräfin Franziska von Hohenheim so in ihrem Tagebuch festgehalten.[15]

 

Hahnentanz im Elsaß, nach einem Gemälde von Gustave Brion
Hahnentanz im Elsaß, nach einem Gemälde von Gustave Brion

Zum Hahnentanz in Leutkirch gibt es 1843 einen kurzen Hinweis aus dem man entnehmen kann, dass diese Volksbelustigung zwar noch stattfand, jedoch im Ausklingen ist: Seltener werden die Hahnentänze.[16] In der Beschreibung des Oberamts Horb von 1865 wird notiert, dass früher der Hammel- und Hahnentanz in Ahldorf und einigen andern Orten eingeführt war.[17] In „Badisches Volksleben im neunzehnten Jahrhundert“[18] wird erwähnt, dass es den Hahnentanz auf den Schwäbischen Fildern gibt; um 1899 wanderten zehn Paare mit Musik zum Hahnentanz in Schutterwald. In einem späteren Gedicht „Der Hahnentanz in Schutterwald“, wird bemerkt, dass der Tanz ursprünglich beim Pfarrhaus unter der Linde und zuletzt nicht mehr um einen Hahn getanzt wurde, sondern um ein Nastuch und eine Kappe.[19] Als interessanter Hinweis wäre noch zu erwähnen, dass bis vor kurzem im Internet der Inhaber der Gaststätte Bahnhof in Gomaringen in der Geschichtsangabe den Hinweis gab, dass ihre Gaststätte auch zum Hahnentanz zur Verfügung steht. „Der große Umbau steht bevor. Saalanbau auf 300 Sitzplätze mit Tribüne für Theaterstücke, Hochzeiten, „Hahnen-Tanz“ und vielen anderen Feierlichkeiten.“ Die Gaststätte ist vermutlich seit Anfang Oktober 2018 verkauft und im neuen Internetauftritt fehlt dieser Hinweis.

 

Hahnentanz in der Literatur

Neben wirklichen Berichten zum Hahnentanz sind bei dieser Arbeit auch noch Theaterstücke und Gedichte festgestellt worden, die manchmal nicht direkte Hinweise zu Ort und Zeit lieferten. Als Beispiele sollen hier stehen.

In dem Theaterstück „Denkmal des besten Herzens“[20] unterhalten sich Landleute anlässlich des Geburtstages der Gräfin Franziska von Hohenheim über einen zu ihrem früheren Geburtstag (1778?) stattgefundenen Hahnentanz. In unbestätigten Berichten soll es weitere Hinweise zu Hahnentänzen an Geburtstagen der Gräfin geben. Die entsprechende Literatur konnte leider nicht gefunden werden.

In „Der Glückliche Knecht“, einem Theaterstück, gibt es ein Kapitel mit der Überschrift „Beim Hahnentanz“[21]. Dort beschreibt Johann Georg Fischer (*1816 in Groß-Süßen; †1897 in Stuttgart) das Drum und Dran um den Ablauf eines Hahnentanzes. Es fällt jedoch auf, dass dort ein bunt bemalter Holzhahn und kein lebendiger Hahn erwähnt wird. Dieses gereimte Theaterstück diente verantwortlichen Personen dazu, den Hahnentanz im heutigen Süßen neu entstehen zu lassen. Den letzten Hinweis zu den Ausführungsmöglichkeiten erfuhr die Süßener Tanzgruppe 1980 bei einem Volkstanzlehrgang in Stuttgart.
Im Gedicht „Der Hahnentanz in Schutterwald“[22], in Schutterwälder Dialekt, wird bemerkt, dass der Tanz ursprünglich etwas außerhalb Schutterwalds getanzt wurde. Im Lauf der Zeit, so wird weiter geschildert, hat der Tanz seine ursprüngliche Version verloren, weil der Hahn nicht mehr der Hauptpreis war, sondern um ein Nastuch und eine Kappe (könnte auch eine Haube für die Tänzerin sein) getanzt wurde.

Resümee

Der wesentliche Unterschied zwischen früher und den heutigen Tanzversionen des Hahnentanzes ist der, dass in alter Zeit alle vom Dorf teilnehmen konnten, wenn sie altersmäßig und gesundheitlich dazu in der Lage waren und einen bestimmten Obolus entrichten konnten. Heutzutage werden die Hahnentänze oft nur noch von Tanzgruppen vorgetanzt und das allgemeine Tanzvergnügen, wie es früher im Dorf üblich war, hat sich in ein Vorführspektakel gewandelt. Selbst aus den Schäferstädten ist nicht bekannt, ob der lange Zeit da übliche Hahnentanz für die Allgemeinheit zugänglich war. In dem Bericht zur Schäferordnung wird in dem Geschichtsbericht von Markgröningen bemerkt: „Ein ‚Schäfertanz‘ (Tanzveranstaltung) wurde bei diesem Anlass gepflegt und schloss alle anderen nicht zur Gruppe gehörenden von diesem Tanz aus“. Ob dies bereits den Hahnentanz mit einschloss oder nur das allgemeine Tanzvergnügen der Schäfer, lässt sich aus diesem Satz nicht herauslesen. Der heutzutage aufgeführte Tanz der jungen Schäfer und Schäferinnen, kann hier nicht gemeint sein, weil entsprechende Tänze erst viel später eingeführt wurden.
Der Schäferlauf und seine damit zusammenhängenden Veranstaltungen in Markgröningen, Wildberg und Bad Urach wurden am Ende des Jahres 2018 in die Liste immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Sicher ist auf alle Fälle, dass der Hahnentanz nicht nur bei Schäfertreffen getanzt wurde, sondern auch zu unterschiedlichen Jahreszeiten und Dorfunterhaltungen. Zu seiner Zeit war er ein wesentliches Tanzvergnügen der Dorfbevölkerung.

Es darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass der Hahnentanz nicht nur in Baden und Württemberg weit verbreitet war, sondern man kann davon ausgehen, dass dieses Tanzvergnügen in ganz Deutschland üblich war. Die Veranstaltungen waren, wie schon eingangs erwähnt, in Baden und Württemberg hauptsächlich im ausgehenden Sommer oder im Herbst. Sie waren jedoch nicht unbedingt mit der Kirchweih verbunden.

In anderen deutschen Landesteilen fand der Tanz zu anderen Jahreszeiten statt. Aus Bayern ist bekannt, dass der Hahnentanz von Gastwirten veranstaltet wurde und diese dann in entsprechenden Zeitungsannoncen dazu einluden.

In „Der weit-berühmten Freyen Reichs- Wahl- und Handels-Stadt Franckfurt am Mayn Chronica“[23] wird berichtet, dass zum letzten Fasnachtstag die Bürgermeister ihren Mitarbeitern gestatteten einen Hahnentanz zu tanzen. Der Brauch wurde aber 1537 eingestellt, nachdem sich im Anschluss an einen Hahnentanz ein tödliches Unglück ereignete. Somit ist klar, dass der Tanz auch in Hessen bekannt war.

1874 wird in der allgemein bekannten Zeitschrift „Über Land und Meer“[24] folgendes berichtet: „…. Es ist ein hübscher Abschluss der Ernte, wenn sich im Elsaß die Bauern im Wirtshaus oder in der offenen Scheune zum Hahnentanz versammeln.“ Des Weiteren wird die geschmückte Balkensäule beschrieben und dass daran aus einem Blumenkranz ein toter Hahn, der ehemals Beste im Dorf, hervorschaut. Dann wird das beschrieben, was so auf der deutschen Seite nicht festgehalten ist: „… während ein Tänzer mit seiner Tänzerin aus der Reihe tritt und diese in kühnem Schwung zu dem Hahne emporhebt.“ Es scheint also, dass im Elsaß beim Hahnentanz nur die Tänzerinnen hochgehoben wurden. Dies wird so auch in einer leider nicht reproduzierbaren Grafik von Gustave Brion (24. Oktober 1824 bis 6. November 1877) dargestellt.
In einer weiteren Beschreibung des Elsäßer Hahnentanzes wird über den Hahn selbst berichtet: Nach altem Brauch wurde der Hahn mit Blumen und Bändern verziert. Letztere waren früher in den französischen Farben gehalten. Der lebendige Hahn saß auf einem Querbalken in einer Schüssel oder ein Bursche hielt ihn auf seinem Arm fest oder er wurde mit zusammengebundenen Füßen irgendwo in der Höhe befestigt.[25] Weiter ist noch sehr interessant, dass zum Tanz entweder die Dorfmusik spielte oder zugereiste böhmische Musikanten.

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